Hallo Baby

Im November war es soweit. Eine Woche vor dem errechneten Termin machte sich unser Sohnemann auf den Weg.
Das er mir einen Ultramarathon zur Geburt bescherte, damit hatte ich nicht gerechnet.
Aber was hätte ich anderes erwarten sollen 😉 Damit kannte ich mich ja aus. Leicht war es trotzdem nicht. Und wie schwer und schmerzhaft eine Geburt tatsächlich ist, zählt wohl zu den Dingen, die einem keine Mutter im Vorfeld wirklich erzählt. Aus gutem Grund.

Alles was ich wollte war so schnell wie möglich nach Hause. Krankenhäuser sind nicht meine Welt. Auf anraten der Ärzte blieben wir aber doch noch ein Weilchen, um einen Blutwert des kleinen Mannes zu kontrollieren.
Aber irgendwann durften auch wir nach Hause.
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Ich hatte damit gerechnet, dass alles rosarot ist und glitzert, wenn wir nach Hause kommen. Das ich schockverliebt Windeln wechseln würde, mit dem Baby durch die Wohnung tanzen und kichern würde und der wenige Schlaf….so what…wem macht das schon was.

Die sozialen Medien vermitteln einem ja gern romantische Vorstellungen von Dingen, die in der Realität auch weniger romantisch sein können.

Ich hatte ein paar wirklich harte Tage und fand alles ziemlich doof.

Mein, unser altes Leben war weg. Rausgehen und Dinge erledigen war nicht mehr so einfach. Der Alltag wurde bestimmt von 49cm neuem Leben.

Wochenbett heißt man bleibt eben zu Hause und ruht sich aus.
Für eine sehr, sehr lange Zeit (jedenfalls für meine Begriffe).

Ich war gefangen zwischen Bett, Couch, Milch, Kotze und Windeln.

Ich konnte dem kleinen Mann nicht helfen, wenn er gebrüllt hat vor Bauchweh. Ich bin wahnsinnig geworden vor Sorge, wenn er gekotzt hat, weil ich dachte er sei krank und niemandem würde es auffallen, weil alle sagten Speikinder sind Gedeihkinder und das ist eben normal.

Ich war neidisch auf Holger weil er ab und an einfach raus konnte und ich eben einfach hier saß. Ich – die Milchbar (wenn man das so drastisch sagen kann)

Ich hatte eine Geburt zu verarbeiten, die schwierig für alle war. Vor allem für den Kleinen, nicht weniger allerdings für Holger und mich.

Meine Aktivität (ich war ja schließlich am Tag bevor ich ins Krankenhaus ging noch 5km spazieren) war einer Lethargie gewichen.

Ich hatte Angst davor mit dem kleinen Mann allein zu sein, weil ich immer dachte was mache ich wenn er brüllt, oder kotzt, oder Fieber bekommt. Oder oder oder.

Ich hab geweint. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Und manchmal auch nachts.

Dem Hormoncocktail sei Dank. Der lies irgendwann nach.

Nach 10 Tagen habe ich meiner Hebamme gesagt, dass ich das Wochenbett jetzt beenden werde. Das ich raus muss, was anderes sehen muss, weil ich sonst sicher eine handfeste Depression bekomme.

Einfach raus.
Spazieren gehen.
Sachen unternehmen zusammen mit dem kleinen Mann.  Rein ins Tragetuch und um die Häuser ziehen. Einen neuen Alltag finden, als Mama, als Mama und Papa und als Familie. Dafür zu sorgen, dass man auch als Individuum nicht verloren geht.
Seitdem wird es von Tag zu Tag besser.
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Der Alltag kehrt langsam zurück. Auch wenn es ein Neuer ist. Nach 5 Wochen Mama sein kann ich sagen: Mama sein lernt man nicht in 2 Wochen, auch nicht in 3 oder 5, auch nicht in 3 Jahren, oder 15.
Mama sein lernt man jeden Tag. Und jetzt kann ich sagen, es gibt nichts besseres als das.
Es gibt nichts schöneres als zu entdecken das der kleine Mann täglich wächst und sich entwickelt. Das er lernt. Und das er uns vollkommen macht.
Mama sein ist das Beste was einem passieren kann.

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Und nun freue ich mich darauf, so langsam in den sportlichen Alltag zurückzukehren. Ein wenig von dem wiederzubekommen, worauf ich 10 Monate verzichtet habe.
In diesem Sinne: Sport frei 🙂

 

4 Kommentare zu „Hallo Baby

  1. Liebe Katrin, auweia, das hört sich doch sehr nach sehr viel Schwerem an. Und nach sehr viel Gutem. Als Nicht-Mama kann man das wohl wirklich nicht nachvollziehen Dafür hast Du es sehr gut und eindrignlich geschildert, Anerkennung.Und Du meinst wirklich, dieses Jahr ist es für den Karwendelmarsch für Euch beide noch zu früh? 😉 Halt weiter durch und guten Sport-Wieder-Beginn für Dich!

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  2. Liebe Katrin
    Treffend geschrieben, ich kann Dir sehr sehr gut nachfühlen, habe ungefähr das gleiche erlebt. Schön, dass es Dir bereits nach 5 Wochen besser geht und Du neuen Mut gefasst hast, wenn man das so sagen kann. Es kommt noch viel besser, Du wirst freier (Milchbar) und auch der Körper wird sich wieder formieren. Geduld und Nachsicht mit mir selbst waren meine stetigen Begleiter, auch wenn ich gewisse Sachen lieber früher als später gerne wieder wie vorher gehabt hätte. Jetzt ist der Kleine übrigens sechs Monate alt, lacht und quietscht und gibt einem wirklich das so oft gehörte viel zurück, ich passe wieder in die alten Hosen und mag schon wieder in einer coolen Zeit 10km rennen. Alles in allem eine tolle Entwicklung zurück zu mir selbst und neu zu mir als Mama und uns als Family. Geduld und Nachsicht (auch vom Papa) sei dank 🙂

    Ich wünsche Dir/euch weiterhin viel Freude mit dem Kleinen, allerbeste Gesundheit und viel Vertrauen in Dich selbst, you can do it!

    Gefällt 1 Person

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