Rennsteiglauf 2019

Es war also soweit…der Rennsteiglauf. Mein großer Wunsch, mein erster Lauf um wieder „einzusteigen“, wenn man das so nennen kann.

Denn was danach folgt oder folgen sollte, war mir zu dem Zeitpunkt noch nicht klar. Aber er kam, der Tag, der 18.05.2019.

Die Nacht war miserabel. Woran Minime allerdings keine Schuld hatte. Also nicht direkt. Sondern eher indirekt. Denn ich zerbrach mir die Nacht vorher den Kopf, ob das alles in Ordnung ist, ob er klar kommt der kleine Mann. Die ersten 6 Stunden seines Lebens ohne Mama und Papa. Wir wissen das wir einen tapferen kleinen Jungen haben. Aber das erste Mal ohne Eltern. In einer fremden Umgebung. Dieser Gedanke raubte mir ein wenig den Schlaf.

Am Tag vorher das übliche Prozedere. Startnummern abholen. Einen netten Plausch hier und da. Bekannte Gesichter. Rennsteiglaufatmosphäre. Herrlich. Ich liebe es. Nur diesmal eben ohne Kloßparty. Zu spät. Für Junior und uns. Nächstes Jahr wird das hoffentlich anders werden (Spoileralarm!)

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Als dann der Wecker klingelte dachte ich für einen kurzen Moment ich würde heute keinen Fuß vor den anderen setzen. Meine Uhr sagte, ich hätte ca. 50 Minuten geschlafen. Ungefähr so fühlte ich mich ehrlicherweise auch. Aber nein, ich hatte trainiert und so viel in diesen Lauf investiert. Ich wollte ihn laufen, komme was wolle.

Eigentlich war mein Job ja ziemlich einfach, wenn man so möchte. Holger wollte in Uniform laufen. Ich eigentlich auch. Aber 6 Monate nach der Geburt ist Halbmarathon in Sportklamotten schon Aufgabe genug!
Somit war mein Part schnell klar. „Begleitläufer“. Mein Mann bestimmt das Tempo, ich laufe mit und gebe ihm was er braucht. Wasser, Gel, Salztabletten, einen blöden Witz, die Zwischenzeiten und ab und an mal ein Ständchen. Pipi Langstrumpf singt sich in den Wäldern des Thüringer Waldes zum Beispiel herrlich. Plan war: Alles Laufbare laufen und die Anstiege konsequent gehen.

Auch wenn ich den jungen Herren neben mir ab und an bremsen musste, war das hinten raus doch genau die richtige Entscheidung. So plätscherten die Kilometer dahin. Immer wieder sprachen uns Läufer an. Klopften Holger auf den Rücken, oder ließen anerkennende Worte da. Wir trafen Rennsteiglauf Urgesteine und führten tolle Gespräche. Ich hätte noch eine ganze Weile so weiterlaufen können.

Die Strecke war toll, der Tag war toll. Das ich kaum ein Auge zugemacht hatte war schon fast vergessen. Hallo Rennsteig. Mein Herzensrennen. Kein Lauf hat es mir so angetan wie dieser.

Bei Kilometer 16 zückte ich das Handy, um meine Eltern zu informieren, dass wir in gut 45 Minuten im Ziel sein würden. Gleichzeitig natürlich auch um herauszufinden, wie sich Minime so schlägt. Seine Geduld war scheinbar auch dem Ende nah und so war es ganz gut das wir den Junior bald wiedersehen würden.

Gegen Ende merkte ich Holger  dann allerdings doch die Anstrengung an. 21km mit knapp 18kg Zusatzgewicht gehen eben nicht spurlos an einem vorbei.
Die Beine wurden schwerer, die Gespräche einseitiger 😉 Mein Angebot ihm das Atemschutzgerät abzunehmen, lehnte er aber gefühlte fünfhundertmal konsequent ab.
Die Anstiege gingen nicht mehr ganz so leicht, aber mit durchhalten kennen wir uns spätestens seit der Geburt bestens aus. Also einfach weiter einen Fuß vor den anderen.
An den Verpflegungsstationen ließen wir uns einen Moment länger Zeit, blieben  einen Moment stehen. Tranken ausreichend, füllten unsere Flaschen für unterwegs wieder auf.

Irgendwann ist allerdings auch der letzte Anstieg geschafft und ich erinnerte mich, dass es nur noch bergab in Richtung Ziel ging. Wir hatten es also bald geschafft.
Und dann war er plötzlich schon da, der Zielkanal.
Der auch wie auf Kommando Menschenleer war. Wie liefen komplett alleine von ganz oben, bis ganz unten. Wir wurden angekündigt, sodass sich plötzlich alle nach uns umdrehten und zu uns an den Anfang des Zielkanals schauten. Holger lief ja für den guten Zweck.
Unter tosendem Applaus. Und soll ich euch was sagen? Das war krass. Mega krass.
Und dann war da die Ziellinie und die Medaille. Und Menschen mit Mikrofonen und Kameras. Ich war ein wenig froh das es nicht um mich ging und ich einfach ein wenig abseits stehen und geniessen konnte das ich gerade wieder Halbmarathon gelaufen war.
Das ich mein Ziel erreicht hatte, das sich die Arbeit gelohnt hatte.

Nächstes Jahr sieht uns der Rennsteiglauf natürlich wieder. Wie soll es auch anders sein. Allerdings wird Minime mitkommen ❤️

2 Kommentare zu „Rennsteiglauf 2019

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