Die zweite Lektion…

…die ich lernte, war die, dass man nie so genau planen sollte.
Eine einzige Sekunde vor zwei Wochen hat über das komplette Jahr entschieden.

 

Ich lief wieder die Treppen auf und ab und war guter Dinge, dass das was ich da gerade machte, die beste Vorbereitung war, die ich je durchgezogen hatte.

Dann kam der Tag, der mir einen großen Strich durch meine Rechnung machte. Ich war auf dem Weg zu einem Arbeitstermin. Völlig entspannt, mit ausreichend Zeit. Nur noch über den Fußgängerüberweg und ich wäre da gewesen. Der Überweg hatte eine Mittelinsel. Am Bordstein der Mittelinsel stolperte ich und bekam einen Vorwärtsdrall. Auf der anderen Seite stand ein Metallpoller. Und in den schlug ich ein, bevor ich zu Boden fiel. Mit meiner Schulter. Autsch. Das tat wirklich weh. Ich stand allerdings sehr schnell wieder auf, ging zu einem großen Stein, setzte mich und rief meinen Mann an. Der fragte mich, ob ich alles bewegen könne. Ich hob und beugte den Arm. Tat schrecklich weh, aber ging. Trotzdem hab ich ihn gebeten mich abzuholen. Als ich aufstehen wollte und in ein warmes Café gehen, um zu warten, merkte ich, wie die Knochen knackten und aneinander rieben. Autsch. Das Schlüsselbein war durch. Da brauchte ich nicht mehr lange hoffen oder auf ein Röntgenbild warten. Scheisse. Also rief ich mir einen Rettungswagen, der mich postwendend in die Unfallklinik brachte.

Nach langen Stunden des Wartens, die erlösende Nachricht. Der Knochen ist gebrochen. Die Enden haben allerdings noch Kontakt und könnten ohne OP wieder zusammenheilen. Also Schiene und 6 Wochen Ruhe halten. In 7 Tagen Röntgenkontrolle, falls sich etwas verschoben hat. Ich hielt also die Ruhe meines Lebens. Die Schmerzen wurden weniger von Tag zu Tag und ich sah der Kontrolle relativ entspannt entgegen. Und dann sah ich das Bild. Auf dem waren zwei Knochenenden, die nicht weiter auseinander hätten stehen können. In dem Moment war klar, ohne eine OP wird nichts mehr zusammenheilen. Und meine Welt brach für einen kleinen Moment zusammen. Alle Pläne für dieses Jahr, alles wofür ich bislang hart gearbeitet hatte, stand in Frage. Guter Rat war also teuer.

Nach der OP weitere 6 Wochen Ruhe. Nichts heben, keine Belastung auf dem Arm. Da war meine Hofffnung auf mein Jahresziel noch immer nicht ganz begraben.
Begraben war sie, als ich mit dem Chirurgen das Vorgespräch führte und er mir sagte, das sie eine Platte einsetzen werden, welche mit 6 Schrauben verschraubt wird. Das hätte sich bewährt und würde für mindestens 2 Jahre in der Schulter bleiben. Allerdings könnte es möglich sein das es zukünftig Probleme geben würde beim Tragen von Taschen und/oder Rucksäcken. Frauen seinen ja gerade im Schulterbereich relativ schmal und es könnte Irritationen geben, weil die Platte ja direkt unter der Haut liegt. Somit war klar, kein Wettkampf für mich. Träumchen zerplatzt.

Ich hätte (wenn alles gut läuft nach Heilung und Physio) noch 8 Wochen zum trainieren. Da darf nichts dazwischen kommen. Keine Krankheit, kein Trainingsausfall. Ich müsste bei 0 anfangen, auch wenn sich alles wahrscheinlich relativ schnell aufbauen würde. Das Laufen mit Rucksack wird allerdings wahrscheinlich nicht funktionieren. Jedenfalls nicht so schnell. Also habe ich das Hotel storniert und meinen Startplatz zurück gegeben.

Die OP lief relativ gut. Die Ärzte waren zufrieden und die Knochen werden wieder gut zusammenheilen. Der Arm darf 6 Wochen nicht belastet werden. Nichts heben, nicht abstützen, den Arm nicht höher als die Schulter heben. Bereits am Folgetag der OP hat mich der Superdoc entlassen. Ich durfte nach Hause zu meinen Männern und hier in Ruhe gesund werden. Meine Schiene darf ich noch eine Woche tragen, danach werde ich sie nicht mehr brauchen.

Letztlich glaube ich, hat alles einen Grund im Leben. Ich wollte den Zugspitz Ultratrail laufen. Der dritte Versuch. Zweimal hat mich der Berg besiegt bislang. Beim ersten Start musste ich nach 17km Dauerregen und Kälte aussteigen, weil ich unterkühlt war und nichts mehr drin blieb. Beim zweiten Mal war relativ schnell klar das ich einen Infekt hatte und nach 5km den ZUT einfach ZUT sein lies. Eigentlich wollte ich nie wieder dort antreten und das Thema hatte sich für mich erledigt. Irgendwie hat mein Mann mich da aber wieder rein gequatscht 🙂 Und so wollte ich es diesmal kontrolliert angehen. Diesmal knockt es mich in der Vorbereitung aus. Vielleicht sind der ZUT und ich einfach nicht füreinander gemacht. Soll es ja geben. Und vielleicht sollte ich mich einfach einem anderen Lauf widmen. Es gibt ja ne Menge schöner Läufe. Zwei stehen noch im Kalender dieses Jahr. Unter anderem der Rennsteiglauf. Wie jedes Jahr!

Wie es weitergeht kann ich noch nicht genau sagen. Ich hatte bei meinem Sturz jedenfalls ziemlich viel Glück, worüber ich ziemlich froh bin. Der Sturz hätte ziemlich blöd ausgehen können. 2cm weiter links und es hätte nicht die Schulter getroffen, sondern den Kopf. Und wie es dann ausgesehen hätte, möchte ich mir lieber nicht ausmalen. Zwei Läufe stehen noch im Kalender. Sobald es geht und der Doc sein ok gibt, werde ich mit Sarahs Hilfe wieder durchstarten. Die letzten Wochen haben mir gezeigt, dass das Training mit ihr der richtige Weg ist. Jetzt machen wir eben nur kurz nen kleinen Zwischenstopp 🙂

4 Kommentare zu „Die zweite Lektion…

  1. Liebe Katrin,
    wir hatten ja zwischenzeitlich so mit Dir gehofft, dass keine OP nötig ist. Schade. Aber wer weiß, wofür es gut ist.
    Und wer braucht schon den ZUT? Nächstes Jahr dann lieber wieder den Karwendelmarsch 🙂
    Liebe Heilungsgrüße
    Iwan und Frauchen

    Gefällt 1 Person

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