Die dritte Lektion…

…oder, warum man immer wieder aufstehen muss!

Nun sitze ich also hier. Mit Carlson vom Dach in meiner Schulter.
Schön zusammengenäht. Ohne Frage.
Was nichts daran ändert das es sich anfühlt, als gehört die Schulter nicht zu meinem Körper. Ich tue mich sehr schwer.
Mit der Schulter, mit der OP, vor allem mit dem Gefühl oder sagen wir mit dem nicht Gefühl das nach der OP entstanden ist.
Um die Narbe ist alles taub, was zu erwarten war.
Das mich dieses Gefühl so stört hätte ich nicht erwartet.
Das ich mich darauf konzentrieren muss beim Gehen den Arm zu bewegen, weil er sonst an mir runter hängt wie etwas was nicht zu meinem Körper gehört.
Das ich die Platte und die Schraubenköpfe tasten kann.
Angefreundet habe ich mich mit all dem noch lange nicht.
Ich habe einige Zeit gehadert, was ich tun soll nachdem der ZUT eingestampft war.
Überhaupt weitermachen? Einen Ersatz suchen. Meinen persönlichen ZUT einfach ohne ZUT laufen? Eine kleine Weile hatte ich mit dem Laufen einfach abgeschlossen.
Bin ja schliesslich genug gelaufen

Aber dann wurde mir bewusst, wenn ich jetzt nicht weitermache, dann versumpfe ich. Dann werde ich nie wieder einen Fuß laufend vor den anderen setzen.
Dann war es das mit der Lauferei.
Also erinnerte ich mich daran, wie es war, als ich damals zum ersten Mal einen Trail downhill lief. Nämlich genau so:

„A shooting star fell down to earth
Lightning cracked the sky
Something weird is happening
Something I can’t deny

A strange kind of magic
Running through my brain
Feel I’m in heaven
Or going insane

‚Cause everytime we touch
I get this feeling
And everytime we kiss
I swear, I could fly“

Mir wurde klar, ich muss jetzt weiterlaufen. Ich will jetzt weiterlaufen. Ich möchte nicht aufhören, nur weil ein Knochen gebrochen ist, nur weil ein Plan nicht aufgeht. Nur weil ein Wettkampf mit dem ich eine Rechnung offen habe und ich nicht zusammenfinden, um sie zu begleichen. Manchmal bleiben Rechnungen unbezahlt. Dann hat der ZUT eben die Zeche geprellt. So what.

Wenn man fällt, muss man aufstehen. Immer. Das gehört sogar zu den Grundsätzen die wir unserem Sohn beibringen. Wenn du fällst, musst du aufstehen und weitermachen. Du darfst nicht liegenbleiben.

Ein Leben ohne solche Momente möchte ich nämlich nicht mehr:



Also stand ich wieder auf, nahm mein Telefon und schrieb Sarah das wir weitermachen müssen. Das wir einen Ersatz suchen müssen. Glücklich und dankbar das sie mit mir einer Meinung war und auch meiner wahnwitzigen Idee des Ersatzlauf zustimmte, den ich mir ausgeguckt hatte. Dann eben im September statt im Juni.

Aber es ist ja nicht nur die Trainerin die zustimmen muss. Auch der Doc, der mich nach der OP weiterbehandelt, muss sein grünes Licht geben.
Vor allem muss er verstehen was man da macht und nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Ich brauchte also einen Orthopäden, dem das Wort Trail nicht fremd ist. Und der war zum Glück auch recht gut zu finden.
Er hatte ebenfalls schon einige Ultraläufe auf seiner Liste.
Nach dem erste Termin post OP, hatte ich ihn schon ins Herz geschlossen.
Er nickte alles ab, was ich geplant hatte. Physiotherapie brauchen wir auch nicht. Verschwendete Zeit. Das Flügelchen geht ja schon wieder hoch genug. Wie er sagte. Guter Mann. 

Also ist es Zeit nach Vorne zu blicken. Die einzige Aufgabe die man hat, ist nämlich einfach immer wieder aufzustehen und nicht liegenzubleiben. Auch wenn es liegend im ersten Moment vielleicht schöner erscheint.

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  1. Sehr gut. Man muss immer einmal mehr aufstehen als man hinfällt. Und ein Leben ohne Laufen ist zwar möglich, aber sinnlos …. in dem Sinne: Du rockst das schon im September, Katrin!

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