Working Mum running

Das ist ungewöhnlich. Jedenfalls für mich. Ich liebe Struktur. Ich brauche Pläne und das Durchtakten des Tages. Sonst verliert der Monk in meinem Kopf seinen Faden. So wie gestern. Gestern ging der Faden verloren und der ganze Tag war irgendwie im Eimer. Ich war nicht so gut gelaunt, wusste nicht so recht wohin mit mir. Ich war einfach müde. Müde von allem. Der Kopf war müde, aber auch der Körper. Müde vom Training, müde vom Job, müde vom Mama-sein, müde vom nicht mehr selbstbestimmt leben zu können.

An solchen Tagen empfindet man ja alles doppelt so schlimm, wie es eigentlich ist.
Seit November 2018 bin ich Mama, Ehefrau, Hausfrau. 
Seit Januar 2020 bin ich Mama, Executive Assistant (3 Tage die Woche zurück im Job), Ehefrau, Hausfrau und Athletin.
Das klingt nicht nur ziemlich viel, sondern ist es auch.
Es braucht Struktur, um alles am Laufen zu halten. Wortwörtlich.
Seit Januar 2020 hatte ich wieder eine Menge Kämpfe auszutragen.  
Einen neuen Alltag finden. Nach einem Jahr Elternzeit. Ich wollte soviel. Arbeiten, Mutter sein, Sportlerin sein. Ich funktionierte. Ohne Frage.
Der Preis dafür war hoch, durch den Druck, den ganz allein ich selbst mir machte.


Dann kam die Vollbremsung, mit gebrochenem Schlüsselbein und OP und einer Menge Zeit zum Nachdenken, wie sich alles unter einen Hut bringen lassen könnte.
Dann kam Vollbremsung Nummer 2 mit Corona.
Letztlich muss man sagen, beides hat mir gut getan. Irgendwie.
Aus beiden Situationen habe ich meine Lektion gelernt und das Positive darin gefunden.

Eine feste Wochenstruktur haben wir nicht. Wenn mein Mann arbeitet, kümmere ich mich um den kleinen Mann. 24 Stunden bin ich dann mit Minime allein.
Das ist sehr schön, aber auch sehr kräftezehrend, weil dann jemand anderes darüber bestimmt, wann ich sitze, oder Kaffee trinke, oder Pause mache. An diesen Tagen trainiere ich nicht draußen, sondern spule meine Krafteinheiten zusammen mit Minime ab. 
An den Tagen, an denen mein Mann zu Hause ist, heißt es für mich Büro. Von 09:00-14:00 Uhr. Wenn ich ins Büro muss, verlasse ich gegen 08:00 Uhr das Haus und komme gegen 15:30 zurück.
Momentan ist ja eher die Sache mit dem Homeoffice dran.
In der Zeit in der ich arbeite, kümmert sich mein Mann um Minime.
Die Freizeit danach wird im meisten Fall bestimmt von Trainingsplänen.
Entweder von meinem, oder dem meines Mannes. 

Was heißt das genau? Meistens läuft es so. Wir stehen gemeinsam auf. Minime frühstückt, ich behalte die Zeit im Auge, während ich einen Kaffee runterkippe. Dann heißt es auch schon rein in die Laufklamotten und los. Je nachdem, was auf dem Plan steht meistens gegen kurz nach 07:00 Uhr morgens. Training abspulen. Zurück nach Hause, ab unter die Dusche, und vor den Rechner. Mittags essen wir zusammen bevor ich um 14:00 Uhr Minime übernehme und mein Mann sich fertig macht, um sein Training zu beginnen. Meistens schauen wir, dass wir gegen 16:30 Uhr alle zurück sind, damit Minime noch was von Mama und Papa hat. Familienleben eben. 
Es folgen Abendbrot, Bettgehritual und gegen 19:00 Uhr haben wir meist Kinderfrei.
Was allerdings noch nicht Feierabend bedeutet.
Sondern eher Zeit ein Großprojekt zu planen, welches 2021 an den Start gehen soll.
Telefonate, Videokonferenzen, Website basteln. 

Die Wochenenden laufen ähnlich ab. Morgens trainiere ich, nachmittags mein Mann.
Vorausgesetzt mein Mann ist zu Hause und nicht im Dienst.
Gemeinsames Wochenende gibt es nur alle 3 Wochen.

Seit Januar 2020 ist mein Alltag noch weniger selbstbestimmt als vorher.
Trainieren kann ich, wenn ich Zeit habe. Nicht wenn mir gerade der Sinn danach steht. Wenn das Wetter blöd ist, dann ist das so. Wenn die Zeit knapp ist, dann ist das so. Dann muss ich mich bei anderen Sachen eben ein bisschen beeilen. 
Das muss man wollen, ohne Frage.
Das ist anstrengend, ohne Frage.
Das ist an manchen Tagen müßig, ohne Frage.
Haushalt, Einkaufen etc. wird im Vorbeilaufen eben mal mit erledigt.
Wenn sich Termine ändern heißt das für uns meistens eine Menge Planungsarbeit.

Unser Alltag, so wie wir ihn leben, funktioniert nur mit einer Menge Disziplin.
Disziplin, die einem aber auch in anderen Bereichen des Lebens wirklich weiterhilft. Unser Leben jetzt lässt uns wachsen. Persönlich. Aber auch als Familie. Wir sind ein großartiges Team.
Trainingseinheiten sehe ich mittlerweile als meine ganz persönliche ME-TIME an. 
Ich habe immer Musik dabei, die immer sehr laut ist. Weil es mir gut tut und mich entspannt und ich so noch besser mit neuer Kraft nach Hause zurück kommen kann.
Und nur so und nur deshalb funktionieren unsere Wochen eben so wie sie sind gut. Wir haben für uns einen Weg gefunden, alles unter einen Hut zu bekommen. Unseren Weg, als Familie, Sportler, Eheleute, Angestellte.

Gestern war der Faden also weg, heute ist er wieder da. Auch, wenn er noch ein bisschen durchhängt 😉

 

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Gut, dass Du Dir hier alles einmal von der Seele geschrieben hast, liebe Katrin!
    Ihr beide macht das toll, viele andere schaffen das gar nicht – Super Working Sporting Parents 🙂 Weiter so!

    Gefällt 1 Person

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