Die Sache mit den Zweifeln…

…Anfang 2018 wurde ich schwanger, Ende 2018 bekam ich unseren Sohn. Im Mai 2019 lief ich bereits wieder Halbmarathon. Im Januar 2020 brach ich mir das Schlüsselbein, im Februar 2020 schraubte man mir in selbiges 8 Schrauben, um es zusammenzuhalten.

Im Mai 2020 laufe ich bereits wieder Halbamarathons..an so ziemlich jedem Wochenende. Für jeden der das liest, klingt das wahrscheinlich ziemlich spektakulär. Wenn ich es rückwirkend betrachte, klingt es für mich auch spektakulär. Spektakulär das ich vor allem nach Januar wieder aufgestanden bin und schon kurze Zeit nach der OP wieder in der Lage bin lange Distanzen zu laufen.

Das ist vor allem der Verdienst von Sarah. Die ziemlich gut und ziemlich genau weiß, was sie mir in meinen Plan pinselt. Wieviel ich im Training als Working Mom wegstecken kann und vor allem was sie mir sagen muss, wenn mein Kopf mir vorschlägt, dass er sich mal wieder in den Sand stecken könnte.

Allerdings gibt es dennoch die kleinen Momente in denen ich zweifle. In denen ich mich frage, ob meine Fortschritte groß genug sind. Groß genug, um das zu schaffen, was ich schaffen will. Ob ich mich nicht vielleicht überschätzt habe und zu viel will und das wieder erst zu spät bzw. gar nicht einsehen will.
Vor allem dann, wenn ich bei einem Longrun an meine Grenzen stoße.
Grenzen an die ich aber stoßen muss, um sie zu verschieben. Anders geht es nicht. Dann frage ich mich, ob ich in der Lage bin, im September mein großes Vorhaben überhaupt umzusetzen. Ob meine Beine mich tragen werden. Ob sie mich überhaupt tragen müssen. Denn eigentlich, ja eigentlich, muss ich keine Wettkämpfe mehr laufen. Ich bin eigentlich genug gerannt in den letzten Jahren. Wirklich. Distanzen, die für andere Wahnwitzig klingen. Die wahrscheinlich nicht jeder laufen kann. Ich muss mir nichts mehr beweisen. Ich weiß ja wie alles funktioniert. Und das ich’s kann, wenn ich will.

Das ist wohl auch der Knackpunkt. Ich bin kein geborener Läufer. Wirklich nicht. Laufen ist für mich Arbeit. Arbeit und Quälerei. Jeder einzelne Kilometer. Jedenfalls im Training am Anfang. Es ist mir nicht in den Schoß gefallen und die meisten Kilometer laufe ich mit dem Kopf. Nicht mit den Beinen. Die setzen nur um, was der Kopf unbedingt will.
Ich habe kein Talent fürs Laufen. Ich kann das nicht schnell. Ich bin eher so Typ Dampflok. Langsam und schnaufend…aber wenn es mal rollt, dann rollt es.
Und manchmal zweifle ich eben, ob das alles so richtig ist. Ob es so sein soll, dass ich mich bemühe und kämpfen muss. Das ich einen fast minuziösen Plan machen muss, der das Timing des Familienalltags bestimmt. Das ich Acht geben muss, alle Bälle in der Luft zu halten. Das ich Acht geben muss, dass die Familie nicht leidet. All diese Dinge, all diese Gedanken die mir da durch den Kopf schießen.
Sonntagsnachmittags eben, wenn ich wieder in irgendeinem Hang stehe und pumpe wie ein Maikäfer, wenn ich weiß, ich habe erst die Hälfte der Strecke. Bin aber eigentlich müde, weil die Nacht kurz war.
Dann denke ich an Sarah, die mir immer sagt: „Als Mama muss man manchmal mit dem Kopf unterm Arm trainineren.“

Aber ich liebe es. Ich liebe das Gefühl Sportlerin zu sein. Mit Leib und Seele.
Mit Herz und vor allem mit Willen. Der oftmals mehr schafft, als ich für Möglich gehalten hätte.
Dann schnaufe ich eben noch einmal durch und laufe weiter. Weil ich genau dieses Gefühl sehr liebe, auch wenn es für mich immer viel Arbeit bedeuten wird.
Und mit dem Wissen, dass ich Zweifeln muss. Das es wichtig für mich ist. Um mich selbst zu reflektieren und zu wissen, ob das was ich gerade tue richtig, oder falsch ist.

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