Südthüringentrail 2020 – und wie alles anders kam

Freitag, 11.09.2020. Ich stehe morgens auf. Eigentlich habe ich gut geschlafen und das Wochenende, auf welches ich seit 9 Monaten hinarbeite steht vor der Tür.

Durch einen Zufall schaue ich auf die Schlafauswertung. Habe ich seit Monaten nicht. Dabei fällt mir ein kleiner Wert ins Auge. Mein nächtlicher Ruhepuls…63 Schläge…“Ups.“, denke ich noch, „Was liegt da denn im Argen?!“

Schiebe es aber auf die Aufregung. Der Vormittag ist gefüllt mit Arbeit. Am Nachmittag geht es in Richtung Suhl und somit in Richtung Südthüringentrail. Wow. Zum ersten Mal in 2020. Fast schon ungewohnt aufregend dieses Gefühl.

Das Hygienekonzept funktioniert prima. Ruck zuck habe ich meine Startunterlagen und meinen Tracker. Und ruck zuck sitzen wir alle drei schon wieder im Auto und sind auf dem Weg in die Heimat. Um 21:00 Uhr liegen wir alle im Bett. Ich bin furchtbar aufgeregt, war mir aber noch nie so sicher, dass ich die 47,5km laufen kann.

Schließlich bin ich in der Vorbereitung schon 44 gelaufen und wer 44 laufen kann, kann auch 47 laufen. Dieses Ultrathema hatte ich also im Kopf schon abgehakt, auch wenn es nur ein kleiner war. Das Ganze hat aber unglaublich zu meiner Entspannung beigetragen.

Meine Vorbereitung war perfekt. Besser als je zuvor. Und das trotz Schlüsselbeinbruch im Januar, trotz OP im Februar. Dank Sarah habe ich akriebisch an mir gearbeitet und war nie besser in Form als jetzt. Selbst vor der Schwangerschaft nicht.

Gegen 01:30 in der Nacht wache ich mit einem leichten Druck hinterm linken Auge auf. „Mist.“, denke ich schon wieder. Schnell weiterschlafen, damit aus dem Druck kein Kopfschmerz wird. Gesagt, getan.

Um 05:00 wache ich mit einem hämmernden Schmerz in meinem Kopf auf. Ich kann wenig denken, ich weiss nur, dass ich in 2 Stunden am Start eines Ultratrails stehen sollte. Aber so?!? Große Scheisse! Was tun?

Schmerztabletten sind das Mittel die Wahl. Die nehmen den Schmerz, aber nicht den Druck. Nicht die Lichtempfindlichkeit und auch nicht die Übelkeit, aber wenigstens den Druck. Ich wecke meinen Mann. Der kennt meine Migräneattacken und weiß was zu tun ist.

Zu diesem Zeitpunkt ist klar. Ich kann nicht starten. Nicht für 5km, nicht für 10, nicht für 47, nicht mal für einen. Die Tränen fangen an zu kullern. Aber was bleibt anderes übrig.

Minime bleibt bei Oma und wir machen uns mit dem Auto auf den Weg zum Startareal. Den Transponder muss ich noch zurück geben. Der Gang dahin fällt schwer. Sehr schwer. Aber ich muss die Situation eben einfach so annehmen. Wir schauen uns den Start der Wichteltrailer an und den Zieleinlauf des ersten Mannes auf dem Heldentrail.

Das war’s. Unsere Liaison war eine ziemlich kurze lieber Südthüringentrail. Mal schauen, ob wir uns im kommenden Jahr nochmal sehen.

Aber ganz ohne Laufen geht es irgendwie auch nicht. Und weil mein Mann mich eben kennt, laufen wir am Sonntag eben unseren eigenen Wichteltrail. 20km mit 400 Höhenmetern. Einmal durch den Kulturlandschaftspark Oberes Werratal. Hier gibt es einen Panoramaweg (sagen wir lieber, es gab einen Panormaweg) der sich an den meisten Stellen wunderbar laufen lässt. Manchmal gibts einfach keinen Weg mehr, oder einen, der sich nur noch erahnen lässt.

So findet das Wochenende für mich doch noch einen recht versöhnlichen Abschluss. Auch ohne Ultratrail, auch ohne Medaille, auch ohne Start- und Zielbogen. Und während wir so laufen, denke ich die ganze Zeit – ob man hier nicht einen wunderbaren – Panoramatrailwettkampf veranstalten kann?!?

Ach ja! Und nie vergessen: Niemals den Humor verlieren.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. LIebe Katrin, es hat alles seinen Grund. Und sein Gutes. Du hast tolle Vorbereitungsläufe hinter Dir. Du weißt, Du kannst die 47 km laufen. Nicht antreten passiert jedem Mal. Bei Frauchen ist es strömender Regen und Kälte – andere sagen „na und“, sie steht inzwischen dazu. Und dafür hattet Ihr heute einen schönen Lauf.
    P.S. Aber pass auf, dass der Südthüringentrail jetzt nicht Dein neuer „ZUT“ wird 😉
    Gruß Iwan

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